Tradition aus Koblenz seit 80 Jahren

Trusted Shops
Sicherheit

Glossar

Welche Materialen werden verwendet?

Bruyere

Bei Bruyère handelt es sich um eine knollenförmige Verdickung zwischen Stamm und Wurzel der im Mittelmeerraum beheimateten Baumheide (Erica Arborea). Diese bis zu drei Meter hohe Pflanze ist nicht kultivierbar. Lieferanten dieses seltenen Rohstoffs suchen in der wilden Macchia nach erntbaren Pflanzen, deren Wurzelholz erst nach 25 Jahren über eine zur Ernte geeignete Größe verfügt. Botaniker vermuten, daß die Pflanze die Verdickung ausbildet  um in der Trockenzeit einen Wasserspeicher zur Verfügung zu haben. Eine erntbare Bruyèreknolle hat einen Durchmesser von 40 Zentimetern und mehr, wobei große Teile der Knolle oftmals nicht verwertbar sind, da Würmer, eingeschlossene Steine oder manchmal auch Brandschäden ihre Spuren hinterlassen haben.  Korsisches und algerisches Bruyère sind von sehr guter Qualität, aber auch griechische und spanische Hölzer haben einen guten Ruf.

Die Bruyèreknolle wird dann in der Sägemühle zu Blöcken zurechtgeschnitten, den sogenannten Ebauchons. Diese werden dann nach verschiedenen Qualitätsstufen, Maserungen und Größen sortiert, bzw. von den Coupeuren nach Kundenwunsch zurechtgeschnitten. Die Kanteln werden dann gekocht, um das Wachstum der Keimfasern zu stoppen, im Holz befindliches Ungeziefer abzutöten und den Eigengeschmack des Holzes zu neutralisieren. Später werden die Ebauchons einem weiteren längeren Trocknungsprozess unterzogen. Dabei gibt es die künstliche Schnelltrockung in Wärmekammern oder aber die tradionelle Lufttrocknung. 

Der Preis einer Pfeife wird maßgeblich durch die Qualität des Holzes bestimmt. Die höchste Qualität weist dabei das an der Außenseite der Knolle befindliche Holz auf, das sogenannte Plateauxholz.  Beim Bearbeiten des Rohmaterials fällt durch Strukturschwächen des Holzes, Spots, Kavernen, wachstumsbedingte Risse oder trocknungsbedingte Fehler ein Ausschuss von bis zu 50 Prozent an. Aus den übrig gebliebenen Hölzern werden wieder ca. 50 Prozent ausgesondert, und nur der Rest eignet sich für hochwertige Pfeifen mit glatten Oberflächen.

Insgesamt gibt es drei Hauptsortierungen, mit jeweiligen Zwischenabstufungen. Je weniger Fehler im Holz und je dichter und schöner die Maserungsverläufe, desto höher ist der Preis der Pfeife. Nur ein kleiner Teil der anfallenden abgedrehten Pfeifenköpfe sind komplett frei von Einschlüssen und können zu kittfreien Pfeifen verarbeitet werden, was sich dann im Preis widerspiegelt. 

Begehrt sind im besonderen folgende Maserungen:
 

  • Birdeye - Die Vogelaugen sind nichts anderes als ein Querschnitt der Fasern
  • Flame Grain - Die Flammenmaserung verläuft schräg von unten nach oben
  • Cross Grain -Die Quermaserung zeigt Vogelaugen, die sich auf beiden Seiten  gegenüber liegen
  • Straight Grains - vertikal verlaufende Maserung, möglichst gerade und dicht
  • Ring grain - Wird eine Straight Grain Pfeife sandgestrahlt wird ein wunderschönes Ringrelief sichtbar.      

In der Regel gilt, je heller eine Pfeife ist, desto weniger kann "versteckt" werden. Da fast alle Bruyèrepfeifen kleine Fehler aufweisen ist es unumgänglich Pfeifen zu füllen. Dabei werden mittels eines speziellen Messers oder Fräsers diese Fehler aus dem Holz entfernt und mit einer Füllung versehen. Oftmals werden der Füllung, zwecks einer authentischen Optik noch Anteile von Bruyèrestaub beigemengt. Diese Füllung ist in unterschiedlichen Farbtönen erhältlich, bzw. nimmt als Naturversion den jeweiligen Farbton der späteren Beize an. Da polierte Pfeifen im Laufe des Gebrauchs nachdunkeln, werden diese Kittstellen, da sie sich zumeist nicht einheitlich mitverfärben, nach längerem Gebrauch sichtbarer.

Unter Freehandpfeifenmachern gibt es außerdem die komplizierte Art des Pfropfens. Dabei werden die fehlerhaften Stellen mit kleinen Bruyèrestücken ausgefüllt, die so eingelassen werden, dass sie dem Verlauf der Maserung entsprechen.

Meerschaum

Meerschaum ist wissenschaftlich betrachtet ein Magnesiumsilikat, das sich aus Kieselerde, Bittererde und Wasser zusammensetzt. Meerschaum findet sich nur in der türkischen Gegend um Eskisehir und in Tansania und wird dort aus bis zu 80m tiefen Gruben mit Schlagbohrern oder Beilen aus dem Gestein gelöst.

Das Material besitzt vorzügliche Raucheigenschaften, da es wegen seiner porösen Struktur enorm saugfähig ist, so daß sich selbst hartgesottene Filteranhänger getrost auch einmal auf ein fillterfreies Raucherlebnis einlassen dürfen. Nicht ohne Grund gibt es schließlich auch Filter aus Meerschaumgranulat.

Die Pfeifen, die früher ihren festen Platz in jeder Sammlung hatten, sind inzwischen nicht mehr ganz so weit verbreitet, was nicht zuletzt auf eine unnötige Verkomplizierung der Thematik zurückzuführen ist, Tatsächlich verfügen diese Pfeifen jedoch über einige große Vorteile, die Grund sein sollten über eine Anschaffung in dieser Richtung nachzudenken:

Meerschaum muß weder eingeraucht werden, noch kann es durchbrennen. Sie bieten aufgrund des neutralen Geschmacks ein unverfälschtes Genußerlebnis. Reiner Blockmeerschaum kann sogar mehr als sein Eigengewicht an Wasser aufnehmen (und schwimmt soagr darauf). Weiterhin sind Meerschaumpfeifen ausgesprochen leicht, so daß es keiner großen Anstrengung der Kaumuskulatur bedarf. Allgemein wird Meerschaumpfeifen eine große Zebrechlichkeit nachgesagt. Bei sachgemäßer Behandlung drohen jedoch keine unliebsamen Überraschungen. Fallen Meerschaumpfeifen einmal zu Boden weisen sie in der Regel nur flachere Druckstellen auf, nur im im ungünstigsten Fall können Sie am Übergang zum Holm abbrechen. 

Nach vielen Rauchsitzungen tritt außerdem der interessante und für Meerschaumpfeifen typische Verwandlungsprozess in Gang. Anfangs noch strahlend weiß, verfärbt sich die Pfeife mit zunehmenden Gebrauch gelblich, an einigen Stellen bräunlich. Die Verfärbungen bilden sich zunächst an der Unterseite des Kopfes und der Unterseite des Holmes. Ursache hierfür sind zum einen die absorbierten Kondensate, zum anderen liegt dies an dem feinen Bienenwachsüberzug mit dem die Pfeifen zu Beginn versehen sind und die Kondensate entsprechend im Meerschaum bindet.

Das Meerschaumpfeifen in vielen unterschiedlichen Preisgruppen am Markt erhältlich sind hängt maßgeblich mit der Qualität des verwandten Rohstoffs zusammen. Denn je weißer, reiner und leichter das Material ist, desto höher ist der Preis der Pfeife. Wie auch bei der Bruyereknolle kann das abgebaute Material darüberhinaus über Einschlüße, Hohlräume und Risse verfügen, so das der Ausschuß recht hoch ist. Der türkische Blockmeerschaum ist dabei erdgeschichtlich älter und von wesentlich besserer Qualität, als der leicht gräuliche und schwerere Tansania Meerschaum. Hin und wieder findet man auch Pfeifen die aus Preßmeerschaum bestehen, der aus mit einem Bindemittel verkochten pulversierten Meerschaumresten hergestellt wird. Interessant ist auch, daß der extrem hohe Arbeitsaufwand der für gravierte Meerschaumpfeifen nötig ist, sich letztendlich kaum im Preis wiederspiegelt, da hier im Gegenzug Material verwendet wird, daß sich aufgrund kleiner Fehler nicht für die Verarbeitung der höherpreisigen glatten Pfeifen eignet.